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Rolf Italiaander wurde am 20. Februar 1913 als Niederländer in Leipzig/D. geboren. Bereits in jungen Jahren entwickelte er Interesse für Literatur und Luftfahrt. 1928, also mit 15 Jahren, erlernte er das Segelfliegen und beschrieb seine Erlebnisse in einem ersten Jugendbuch (So lernte ich Segelfliegen, 1931). Als 19-jähriger Student machte er eine Radtour durch Nordafrika, wodurch er früh mit Bevölkerung und Kultur Afrikas in Kontakt kam. Seine lebenslange Liebe für Afrika war geboren und damit die Basis für zahlreiche Forschungsreisen, edukative und humanitäre Projekte gelegt, unter anderem mit Albert Schweitzer.
Wenn man den Lebenslauf Rolf Italiaanders und seine Werke näher betrachtet, macht man eine Reise durch die Welt und Bekanntschaft mit vielen Kulturen, Religionen und Gebräuchen. Man versteht dann, was diesen vielseitigen Schriftsteller, Völkerkundler, Kunstsammler, Museumgründer, Dozenten an Hochschulen vieler Länder einen wahren Kosmopoliten werden ließ, dessen Expertise auch von deutschen Regierungsleitern geschätzt wurde, was 1984 mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Anerkennung fand. Man sah ihn als einen "Abenteurer des Geistes wider alle Konventionen" (H.Th.Flemming); selbst sah er sich als "Polyhistor im Zeitalter der Spezialisten". Sein Tod wurde mit Schiller's Worten "Seid umschlungen, Millionen, diesen Kuss der ganzen Welt" bekanntgegeben.
Im Dritten Reich entstanden - teils auf Anraten des Fliegergenerals von Udet, um ihm und seiner Familie Schwierigkeiten mit dem Regime zu ersparen - Werke über die Fliegerei wie "Manfred Freiherr von Richthofen" (1938) und die alliierten Lufthelden des 1.Weltkriegs ("Asse" 1939) u.a. Sie wurden von den Nazis teilweise verboten und eingestampft. Bücher wie "Der junge Nettelbeck" (1938) und "Götz von Berlichingen" wurden nach den Kriegsjahren als nationalistisch typisiert, entsprachen aber den Normen der Nazis nicht. Befragungen von Ministerien und Gestapo folgten. Italiaanders freundschaftliche Beziehungen zu Gegnern des Regimes (Haushofer, von Hassel, Goerdeler u.a.) haben dazu beigetragen. Man vergleiche hierzu die Liste verbotener Manuskripte und die Zeittafel in Band 20 der "Hamburger Bibliographien" (1977). Die Okkupation der Niederlande hatte neue Bedrohungen, Verhaftung und Deportation von Familienmitgliedern zur Folge.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ sich Italiaander in Hamburg nieder, wo er mit Hans Henny Jahnn und anderen die 'Freie Akademie der Künste' gründete und mehr als zwanzig Jahre als ihr Generalsekretär tätig war. Auch gründete er den Verband Deutscher Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke, zu dessen Ehrenpräsidenten er 1962 ernannt wurde. Sein großes Interesse an Afrika zeigt sich auch in seinem Engagement für die Wiederentdeckung und Rehabilitierung des Hamburger Afrikaforschers Dr. Heinrich Barth (1821-1865), der in Deutschland fast ganz in Vergessenheit geraten war.
Um seiner immensen Kunstsammlung einen dauernden Platz zu geben, gründete Rolf Italiaander 1970 das "Museum Rade im Naturpark Oberalster" in einem alten Bauernhaus am Rande Hamburgs, das er zusammen mit seinem Partner Hans Ludwig Spegg erworben hatte. Ein befreundeter Architekt hat es dem Zweck entsprechend umgebaut. Hier entstanden auch die zur Tradition gewordenen Kindertage zur Förderung künstlerischer Begabung, mit Begleitung renommierter Künstler.
1987 wurde das Museum nach Reinbek in eine Gründerzeitvilla verlagert, der alte Name blieb dabei jedoch erhalten. Es wird seit Italiaanders Tod von der "Stiftung Rolf Italiaander/Hans Spegg" verwaltet.
Quelle - Wikipedia
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